Deutsche Jugendmeisterschaften in Willingen

Bei den deutschen Jugendeinzelmeister im Schach vom 4. – 10. Juni 2017 in Willingen (Sauerland) war der SK Gräfelfing gleich mit vier Teilnehmern vertreten. In der U12 lief es für Maximilian Stepanov leider nicht so gut wie auf der bayerischen EM. Das Turnier ging doch etwas an ihm vorbei, er kam bei seiner ersten deutschen Meisterschaft mit 3,5 / 11 nur auf Platz 52. Für ihn war es allerdings schon ein großer Erfolg, überhaupt an der deutschen Meisterschaft mitspielen zu können.

Etwas besser machte es Massimo Longo, der mit 4,0 / 9 auf Rang 31 kam. Massimo starte sehr gut ins Turnier, doch zwei unglückliche Niederlagen am Stück warfen ihn dann aus dem Rennen. Ähnlich ging es seinem Bruder Claudio, der mit 5,0 / 9 in der offenen U25 auf Platz 48 kam, in dieser Altersklasse nahmen insgesamt 162 Spieler teil.

Als Nummer drei der Setzliste startete die amtierende deutsche Meisterin U12w, Vitalia Khamenya, eine Altersklasse höher in der U14w. Der Auftakt gestaltete sich mit drei Remisen gegen wertungsschwächere Gegnerinnen sehr enttäuschend, doch ein Zwischenspurt mit zwei Siegen am Dienstag brachte sie wieder um das Rennen um den Titel. Nach einem weiteren Remis folgte der Kampf gegen Dauerkonkurrentin Julia Bui aus Dresden. Vitalia kam zu einem starken Angriff, doch Bui konnte ins Remis entkommen. Damit schien der Titel in weite Ferne gerückt, da die zu diesem Zeitpunkt führende Favoritin Melanie Müdder aus Solingen bereits 1,5 Punkte entfernt war und zwei Runden vor Schluss wie die überlegene Siegerin des Turniers aussah.

Doch hier sollte man sehen, dass Schach eine Sportart wie jede andere auch ist. Die Tatsache, kurz vor dem Erfolg zu stehen, ließ Müdder verkrampfen, auch weil Vitalia mit dem Morra-Gambit eine von ihr bislang nie gespielte, scharfe Eröffnung wählte und so auch die Vorbereitung ihrer Gegnerin zu nichte machte. Müdder versuchte, den von Vitalia geopferten Bauern zu halten, verlor diesen aber am Ende dennoch und hatte zudem eine schwierige Stellung, was Vitalia zum entscheidenden Gewinn von zwei Bauern nutzen konnte.

Vor der Schlussrunde hatte Müdder damit nur noch einen Vorsprung von einem halben Punkt vor einer Verfolgergruppe von vier Mädchen, darunter auch Vitalia. Diese musste in der Schlussrunde mit Schwarz gegen Katarina Schneider aus Sasbach (Baden) ran. Doch selbst ein Sieg garantierte erst einmal nur den dritten Platz auf dem Siegertreppchen. Vitalia ging trotzdem mutig zu Werke und begann nach langer Rochade ihrer Gegnerin einen Bauernsturm am Damenflügel. Ihre Gegnerin konterte mit Königsangriff, musste aber einsehen, dass ihr Angriff zu langsam war und ging zur Verteidigung über. Vitalia hatte aber ihren Angriff sehr durchdacht organisiert, sie setzte zwar nicht matt, gewann aber Schneiders Dame, worauf diese aufgab.

Nun hieß es auf Schützenhilfe hoffen, denn Müdder genügte ein Remis, um vor Vitalia zu landen. Doch Müdder verlor auch gegen Ava Glinzner aus Lübeck, die sich damit die Vizemeisterschaft sicherte, denn Julia Bui, die Vitalia und Ava noch hätte überholen können, kam über ein Remis nicht hinaus. Damit konnte Vitalia ihren Titel eine Altersklasse höher erfolgreich verteidigen. (TS)